Potsdam/Germany
Abschiebungen bleiben häufig unsichtbar – für die Öffentlichkeit ebenso wie in der Geschichtsschreibung. Für den Staat sind sie Verwaltungsakte bzw. Mechanismen der Steuerung von Migration. Für die Betroffenen sind die mit ihnen verbunden Abläufe und Entscheidungen oft intransparent – obwohl diese ihre Rechte und Freiheiten substanziell betreffen. Wie lässt sich die Geschichte von Abschiebungen erforschen und erzählen? Welche Quellen stehen zur Verfügung, wessen Perspektiven werden sichtbar – und welche bleiben verdeckt? Diesen Fragen widmet sich die Veranstaltung, die im Rahmen des Projekts „Beendete Migrationen – Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996“ stattfindet. Das Bildungsprojekt wird derzeit von der Agentur für Bildung, Geschichte und Politik e.V. in Kooperation mit dem ZZF und Studierenden des Masterstudiengangs Public History an der Freien Universität Berlin am Lernort Keibelstraße durchgeführt.
Der Historiker Florian Wagner setzt mit seinem Vortrag „Wie schreibt man die Geschichte von Abschiebungen? (Selbst-)Kritische Überlegungen“ den inhaltlichen Rahmen. Ausgehend vom aktuellen Forschungsstand diskutiert er, welchen Erkenntnisgewinn eine historische Erforschung von Abschiebungen bietet und welche methodischen und wissenschaftsethischen Herausforderungen mit einer kritischen Geschichte der Abschiebung verbunden sind. Dabei geht es ebenso um die schwierige Quellenlage wie um die Zusammenarbeit mit Betroffenen und Unterstützer:innen.
Maithu Bùi gibt vor Ort zudem Einblicke in die eigene künstlerische Praxis. Bùis Arbeiten beschäftigen sich mit Themen wie Technologie, Wissenschaft, Gewalt und ökologische Veränderungen. Auch Migration spielt immer wieder eine Rolle. Anhand von 3D-Animationen thematisiert Bùi die Inhaftierung von ehemaligen Vertragsarbeiter:innen im Gefängnis in der Keibelstraße in Berlin-Mitte zum Zwecke der Abschiebung.
Den Abschluss der Veranstaltung bildet eine Podiumsdiskussion, die neben wissenschaftlichen und künstlerischen Perspektiven die Arbeit des Projektes „Beendete Migrationen – Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996“ aufzeigt. Das Projekt beleuchtet sowohl die Geschichte des Ausweisungsgewahrsams in der Untersuchungshaftanstalt in der Keibelstraße während der späten DDR als auch dessen Nutzung als Abschiebegefängnis in den frühen 1990er Jahren der Bundesrepublik. Gemeinsam wird diskutiert, welche Rolle historische Forschung und kulturelle Praxis in der historisch-politischen Bildungsarbeit zu Abschiebungen spielen können und wie ein lange Zeit übersehenes Kapitel der deutschen Migrationsgeschichte sichtbar und für die Bildungsarbeit fruchtbar gemacht werden kann.
Programm
18 - 20 Uhr
Begrüßung: Dr. Irmgard Zündorf (ZZF)
Vortrag: Florian Wagner „Wie schreibt man die Geschichte von Abschiebungen? (Selbst-)Kritische Überlegungen“
Videoinstallationen von Maithu Bùi
Podiumsdiskussion:
Dr. Florian Wagner (Universität Erfurt)
Maithu Bùi (Künstler:in)
Steffen Schindler (studentischer Mitarbeiter im Projekt „Beendete Migrationen“)
Christina Schwarz (Projektkoordinatorin „Beendete Migrationen“)
Moderation: Dr. Henrike Voigtländer (Leitung Lernort Keibelstraße)#
kontakt@keibelstrasse.de
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.