CfP: Sinti⁎ und Roma⁎ in der DDR und nach 1989 (German)

Call for Papers, deadline 18 December 2026

Weimar/Germany

Veranstalter: Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit, FSU Jena; Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
PLZ: 99423
Ort: Weimar
Land: Deutschland
Findet statt: In Präsenz
Vom - Bis: 15.04.2027 - 16.04.2027
Deadline: 18.12.2026
 

Ein Kooperationsprojekt des Lehrstuhls für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit (FSU Jena) mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Sinti und Roma, die den nationalsozialistischen Völkermord überlebt hatten, waren in der DDR eine kleine Gruppe, deren Zahl bis heute nicht erforscht ist. Gegen sie wurden weiter Vorurteile wirksam, die im Nationalsozialismus zu einem festen Bestandteil der ausgrenzenden „Volksgemeinschaft“ geworden waren. Die DDR verstand sich zwar als „erster antifaschistischer Staat auf deutschem Boden“. Doch während der kommunistische Widerstand gewürdigt wurde, blieben die weiteren Gruppen, die Opfer der Gewaltherrschaft geworden waren, weithin unsichtbar. Das trifft in besonderer Weise auf Sinti und Roma zu, da sich bei ihnen die antiziganistischen Vorurteile und feststehenden Wertungen trafen, die in der Forschung als ethnischer, eugenischer und sozialer Rassismus identifiziert wurden. Diese mentalen Bestände wurden in der DDR kaum reflektiert, was sich im defizitären Forschungsstand spiegelt.

Zur DDR fehlen somit systematische Studien zu den überlebenden Sinti und Roma nach 1945. Während in der Bundesrepublik seit den 1970er Jahren mit den zivilgesellschaftlichen Initiativen und Selbstorganisationen eine systematische Erforschung des Feldes begann, blieb dies in der DDR mit einer Ausnahme aus. Pionierarbeit leistete der DDR-Autor und Aktivist Reimar Gilsenbach, der seit 1965 Verbindungen zu Überlebenden suchte und insbesondere in den 1990er Jahren mehrere Veröffentlichungen vorlegte. Auf der Grundlage seines Nachlasses gab das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg 2007 einen Band mit ersten Einblicken her-aus. Eine umfassende Gesamtdarstellung fehlt. Vorherrschend ist das Interesse an der alten Bundesrepublik. Obwohl die DDR hin und wieder genannt wird, wurde das Forschungsfeld bislang nicht ausgemessen, weshalb die kürzlich berufene Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des an Sinti und Roma begangenen Unrechts in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR nach 1945 dies thematisiert.

Die geplante Tagung fragt nach dem Weiterwirken der Stereotype, nach der Anerkennung der Überlebenden, nach ihrem Leben und Überleben im sozialistischen Alltag, insbesondere den Folgen von Nicht-Anerkennung und versagten Rehabilitierungen. Ziel ist es, auf Basis der aktuellen Forschungen zum Thema „Sinti und Roma in der DDR und nach 1989“ die Grundlagenforschung zu stärken und weitere Perspektiven für Forschung und politische Bildung zu formulieren.

Als Beitragsarten sind Vorträge, Quellendiskussionen und Fallstudien sowie Praxisreflexionen von Interesse. Der Call richtet sich an Etablierte und an die Nachwuchswissenschaft sowie Menschen aus den Communitys von Sinti und Roma. Interdisziplinäre Beiträge sind ausdrücklich willkommen. Relevante Disziplinen sind Geschichts- und Politik- sowie Rechtswissenschaften, Soziologie, Kunst- und Kulturwissenschaften, Psychologie, Erziehungswissenschaften und Pädagogik. Die Tagung findet vorbehaltlich der beantragten Finanzierung statt. Perspektivisch ist die Veröffentlichung eines Tagungsbandes geplant.

Einreichung
Erbeten wird ein Abstract von max. 500 Wörtern sowie eine kurze biografische Notiz. Bitte schicken Sie das Abstract bis 18. Dezember 2026 per E-Mail an kat.lenski[at]uni-jena.de oder sophie-marie.hohmann[at]uni-jena.de.

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