CfP: Vom Kolonialkrieg zur postkolonialen Erinnerung – Transformationen kolonialer militärischer Gewalt seit 1918 (German)

Call for Papers, deadline 30 Juni 2026
Potsdam/Germany
 
Veranstalter: Christian Stachelbeck / Frank Reichherzer / Pierre Köckert / Martin Schulz, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
Veranstaltungsort: Zeppelinstraße 127/128
PLZ: 14471
Ort: Potsdam
Land: Deutschland
Findet statt: In Präsenz
Vom - Bis: 07.10.2026 - 08.10.2026
Deadline: 30.06.2026
 

Der Workshop „Vom deutschen Kolonialkrieg zur postkolonialen Erinnerung. Transformation und Deutung kolonialer militärischer Gewalt“ lädt zur Einreichung von Beiträgen ein. Im Zentrum steht die Frage, ob und wie sich koloniale militärische Gewalt über 1918 hinaus fortschrieb, transformierte oder in neuen politischen Kontexten gedeutet wurde. Diskutiert werden mögliche personelle, institutionelle und diskursive Anschlussstellen ebenso wie Brüche und Distanzierungen. Willkommen sind Beiträge zur Rolle militärischer Akteure und Institutionen, zu Gewaltsemantiken, Traditionslinien, musealen Repräsentationen sowie zu öffentlichen Narrativen kolonialer Militärgewalt.

Vom deutschen Kolonialkrieg zur postkolonialen Erinnerung. Transformation und Deutung kolonialer militärischer Gewalt

Mit dem dritten Workshop tritt das Forschungsprojekt „Deutsches Militär im kolonialen Einsatz 1880–1918. Ein Kontinuum der Gewalt“ in seine abschließende Phase ein. Während die ersten beiden Veranstaltungen theoretische Grundlagen, organisatorische Strukturen und konkrete Einsatzpraktiken kolonialer militärischer Gewalt untersucht haben, richtet sich der Blick nun auf deren mittel- und langfristige Nachwirkungen bis in die Gegenwart.

Im Zentrum steht die kritische Prüfung der im Projekt entwickelten These eines „Kontinuums militärischer Gewalt“. Ist dieses Kontinuum über 1918 hinaus analytisch tragfähig, oder stößt das Konzept bei genauerer Untersuchung an seine Grenzen? Das Kontinuum wird dabei ausdrücklich als heuristisches Prüfmodell verstanden. Ziel ist nicht die Konstruktion linearer Fortsetzungslinien, sondern die Analyse möglicher Anschlussstellen ebenso wie klarer Brüche.

Gefragt wird insbesondere nach Transfers exzessiver Gewaltformen, nach Übertragungen alltäglicher militärischer Routinen und Organisationsmuster, nach personellen und institutionellen Anschlussstellen sowie nach Rückkopplungseffekten zwischen Kolonie und „Metropole“. Der Schwerpunkt liegt nicht primär auf militärischer Praxis nach 1918 als solcher, sondern auf deren Verarbeitung, Umdeutung, Institutionalisierung und öffentlicher Rahmung in unterschiedlichen politischen Ordnungen (Weimarer Republik, NS-Staat, Bundesrepublik bis in die Gegenwart).

Der Workshop folgt einer militärhistorischen Perspektive. Beiträge sollten die spezifische Rolle militärischer Akteure, Institutionen, Organisationsformen oder Gewaltpraktiken erkennbar berücksichtigen. Postkoloniale, kultur- oder wissenshistorische Ansätze sind willkommen, sofern sie zur Analyse militärischer Gewalt und ihrer Transformation beitragen. Vergleichende und transimperiale Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht.

Mögliche Themenfelder

- Personelle Kontinuitäten und Karrierewege
- Militärische Ausbildungsinhalte und Traditionslinien
- Gewaltsemantiken und Deutungsmuster
- Vergleich militärischer Praxis in unterschiedlichen politischen Systemen
- Traditionsdokumente und Selbstverortungen militärischer Institutionen
- Strategische Distanzierungen oder funktionale Bezugnahmen
- Verhältnis von symbolischer Kontinuität und tatsächlicher Praxis
- Museale Repräsentationen kolonialer Militärgewalt
- Restitutionsdebatten im Spannungsfeld militärhistorischer Kontextualisierung
- Öffentliche Narrative und erinnerungskulturelle Aushandlungen
- Einfluss gegenwärtiger Traditions- und Erinnerungspolitiken auf historiographische Kategorien

Der Workshop ist als diskussionsorientiertes Format konzipiert. Kurze Impulsvorträge von maximal zehn Minuten bilden den Ausgangspunkt für ausführliche Diskussionen.

Zielsetzung

Der Workshop bildet die argumentative Abschlussphase des Gesamtprojekts. Ziel ist es, die Reichweite und die analytischen Grenzen des Kontinuum-Konzepts im Lichte der vorgestellten Befunde zu diskutieren und die Ergebnisse für die geplante Publikation zu bündeln.

Publikation

Ausgewählte Beiträge werden zu einem Special Issue (peer-reviewed) eingeladen, das die zentralen Ergebnisse der Workshop-Serie bündelt.

Kontakt

Bitte senden Sie ein Abstract (max. 300 Wörter) sowie eine kurze biographische Notiz bis zum 30.06.2026 an:

Martin27Schulz@bundeswehr.org

Benachrichtigung über die Annahme erfolgt bis zum 06.07.2026.

Reise- und Übernachtungskosten können im Rahmen des Bundesreisekostengesetzes übernommen werden.
Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sind ausdrücklich zur Bewerbung eingeladen.

Konzeptionelle Rückfragen zum Workshop können an Dr. Pierre Köckert (ZMSBw) gerichtet werden: PierreKoeckert@bundeswehr.org

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