Erklärung zum Ausschluss von Horst Mahler aus der RAF

RAF Document ID: 
0019740927
Author: 
Die Gefangenen aus der RAF
Date: 
27.9.1974
Source: 
Originalkopie
Text: 

ERKLÄRUNG DER GEFANGENEN AUS DER RAF ZUM AUSSCHLUSS VON HORST MAHLER AUS DER RAF

wir haben im moment keinen grund, auf horst mahlers versuch, sich mit denunziationen gegen die raf in diesem verfahren (baader-befreiungsprozeß) nochmal einen freispruch zu erkaufen, inhaltlich einzugehen.

das problem mit horst mahler ist und war schon immer, daß er ein dreckiger, bürgerlicher chauvinist geblieben ist, der den herrschaftsdünkel, den er in der imperialistischen maschine, durch seine karriere als anwalt - zu seiner sache gemacht hatte - auf die proletarisch-revolutionäre bewegung übertragen hat - nur übertragen, nicht erst in der raf. auch schon im zusammenhang der militanten kämpfe der studentenbewegung in berlin 1967/68 war er unfähig, die politischen inhalte der solidarität mit ihm als linkem anwalt anders als personenkult für seine person zu verarbeiten.

er stellte sich vor, er könnte in der guerilla das bourgeoisleben, das er vorher hatte - kommandieren, die schwächen anderer ausnutzen, privilegien, wie das in der kanzlei eines anwalts von ausbeuter zu ausgebeuteten funktioniert - weiterführen. so hat er - weil er nicht lernen und sich nicht ändern wollte - zu kollektiver, unnachgiebiger, geduldiger arbeit unfähig blieb, nicht bereit war, sich den karrieristischen dreck vom halse zu schaffen - die kollektiven lern-, arbeits- und diskussionsprozesse der raf nie zur kenntnis genommen. die arbeitintensität einer kämpfenden gruppe, die einheit von körperlicher und geistiger arbeit, die aufhebung der trennung von berufs- und privatleben, die entschlossenheit zu handeln, zu kämpfen, mit einem wort: den proletarischen arbeitsstil der guerilla, der für ihn den verlust seiner privilegien bedeutete, hat er - aufgrund seiner blasierten selbstkonzeption: dem klischee eines bürgerlichen berufspolitikers - nur als zumutung empfunden.

mahler hat in der praxis der raf, ihrer konkreten politik, ihren taktischen bestimmungen, in ihren bündnissen nie eine rolle - auf was anderes war er nicht aus - gespielt. er hat sie in seinem dünkelhaften begriff von politik überhaupt nicht verstanden. wie er schon 1970 nur ein bürgerliches wrack war, das von der kämpfenden, sich zu einer politisch-militärischen organisation entwickelnden raf - wegen seiner illegalisierung - nur ertragen wurde; auch weil er durch seine eitelkeit und ignoranz, seinen klassenspezifischen subjektivismus und leichtsinn eine dauernde gefährdung ihrer praxis war.

mit seinem herrschafts-, besitz- und führungsanspruch auch noch im gefängnis gegenüber den gefangenen aus der raf, mit seiner elitären unfähigkeit, kritik und selbstkritik anders als als machtkampf mißzuverstehen, mit seiner dauernden, revisionistischen, leeren, privatistischen produktion, mit der er sich hinter dem rücken dsr raf und der gefangenen aus der raf auf dem linken meinungs markt ein ansehen zu verschaffen versucht hat, das seiner realen funktion in der raf nicht entsprach - einer produktion, die nach dem muster juristischer schriftsätze mit beliebigem inhalt schematisiert ist und nie ausdruck der konkreten politik der raf war, ihrer aktion, ihrer praxis, ihrer erfahrungen, ihrer taktischen bestimmungen - hat er seinen ausschluß aus der raf, das ist schon ziemlich lange her - erzwungen. das lief einstimmig.

mahlers veröffentlichungen hat auch die raf immer erst nach ihrem erscheinen auf dem markt kennengelernt. er wußte, daß er nicht für die raf sprechen konnte. die guerilla bringt ihre theorie, ihre strategie, ihren internationalismus in ihrer aktion zum ausdruck. nicht nur, daß theoriediskussionen, denen keine konkrete praxis entspricht, unter den bedingungen des monopolkapitals und medienimperialismus zwangsläufig vermarktet werden; theorie-, praxisdiskussionen, die auf bewaffnete politik aus sind, können - so wie politische polizei, verfassungsschutz, geheimdienste organisiert sind - nicht
öffentlich geführt werden. sie sind nur stoff für die counterinsurgencystäbe der regierung. daß es mahler aber auch darum - bewaffnete politik - nie ging, nur um bekenntnisdiskussion, hat er selbst oft genug geschrieben.

mahler wird also auch in zukunft über die raf keine auskunft geben können, die was anderes wäre als ausdruck seines infantilismus, seiner ehrgeize, seines karrierismus, noch wird er die politik der raf für die rote hilfe e.v. oder die gruppe roter fels, einem ableger der e.v. in tegel - instrumentalisieren können.

unsere einschätzung, das verhältnis der gefangenen aus der raf zu diesen gruppen - kpd/ao, rh e.v. - wird sich nicht ändern, solange sie über solidarität nur reden (weil es sich nicht um solidarität mit der offensiven, politisch-militärischen aktion der raf handelt, sondern nur - und selbst da nur in worten - mit der äußersten defensive der gefangenen aus der raf: dem kampf gegen ihre vernichtung den gefängnissen) - nachdem die ao die guerilla-aktion zur befreiung von andreas baader 1970 als cia-gesteuert danunzierte und uns 1972 praktisch der fahndung ausgeliefert hat. es kann sich nur ändern, indem diese partei zur bewaffneten aktion, zur stadtguerilla als etappe des langandauernden volkskriegs kommt. - mahlers versuch, die öffentlichkeit jetzt im zusammenhang der raf, die ihm von justiz und medien angehängt worden ist, der politik der stadtguerilla, die wirkung der raf und ihrer praxis, das beispiel, das sie ist, für diese gruppen zu usurpieren, ist der versuch dieser maske, sie wegen seines ausschlusses zu paralysieren - ist der racheakt eines pikierten, ewigen revisionisten und opportunisten.

die fakten zu seiner letzten produktion sind, daß er mit dem praktischen ziel, seine erfahrungen in der raf - auf der linie von ruhland, sturm, homan - für die psychologische kriegführung des staatsschutz innerhalb der legalen linken verwertbar zu machen - weil er über die raf und ihre diskussion nichts weiß - selbst mit bullenmaterial operiert: mit zitaten aus dem bericht des bundeskriminalamtes von den zellenrazzien bei den gefangenen aus der raf, wobei er sich mit den falschen zuordnungen und fälschungen der sicherungsgruppe-bonn in diesem bericht identifiziert; daß, was er als zitate der raf ausgibt, fast nur zitate von ihm selbst sind; daß er, wie jeder dreckige kriminalist mit notizen hantiert, die über die politik der raf nichts aussagen - auf nichts als denunziation, personalisierung, psychologisierung, verfälschung der politik der raf aus.

zum veröffentlichungstermin seiner selbstdarstellung: er bringt sie zum beginn des baader-befreiungsprozesses; eine eindeutigere methode, sich in diesem verfahren bei der justiz anzuschmieren, als eine distanzierung von bewaffneter politik, der metropolenguerilla, der raf konnte er sich nicht ausdenken; weil es dem staatsschutz, der bundesanwaltschaft in den raf-prozessen nicht primär um aussagen geht, sondern um die politische vernichtung der raf überhaupt, des konzepts stadtguerilla in der metropole bundesrepublik , um psychologische kriegführung. - er bringt sie, nachdem er selbst aus der isolation, der vernichtungshaft raus ist, in dem moment, wo über 40 politische gefangene in westdeutschland und westberlin einen hungerstreik angefangen haben, mit dem wir entschlossen sind, die vernichtungsstrategie des imperialistischen staats - die institution der isolation gegen die gefangenen aus der raf und andere antiimperialistische sozialrevolutionäre gruppen und alle gefangenen, die im gefängnis angefangen haben, widerstand zu organisieren, deswegen isoliert werden - zu zerbrechen. - weil er selbst nicht kämpfen will, weil er angst hatte vor diesem hungerstreik, hat er versucht, ihn zu liquidieren, macht er aus seinem kläglichen egoismus ein politisches programm, hat er versucht, die legale linke für sein privatinteresse gegen die gefangenen aus der raf aufzuhetzen. in einem moment, wo der kampf der raf in den gefängnissen gegen die vernichtung der politischen gefangenen, für selbstorganisation der gefangenen, für eine revolutionäre gefängnisbewegung die initiative ist, die die solidarität der legalen linken - nicht deren bevormundung und nicht bloß auf dem papier - braucht, wodurch auch sie selbst wieder zu einer wirksamen, antiimperialistischen praxis kommen könnte.

horst mahler ist zur bewußten kollaboration mit dem bundeskriminalamt und der berliner justiz, einer marionette der politischen polizei in wiesbaden und bonn - übergegangen. er ist geblieben, was er immer nur war : ein zyniker, ein chauvinist, ein mandarin, jetzt offen partei für den staatsschutz - politisch eine belanglose, eine hauptsächlich lächerliche figur.

monika berberich für die gefangenen aus der raf
im prozess baader-befreiung am 27. september 1974