Die Aktion des Schwarzen September in München - Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes

RAF Document ID: 
0019721100
Author: 
RAF
Date: 
Ohne Datum (verteilt November 1972)
Source: 
Originalzeitung
Text: 

Die Aktion des Schwarzen September in München -
Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes


Den antiimperialistischen Kampf führen!
Die Rote Armee aufbauen!

Proletarische Revolutionen...kritisieren beständig sich selbst, unterbrechen sich fortwährend in ihrem Lauf, kommen auf das scheinbar Vollbrachte zurück, um es wieder von neuem anzufangen, verhöhnen grausam-gründlich ihre Halbheiten, Schwächen und Erbärmlichkeiten ihrer ersten Versuche, scheinen ihren Gegner niederzuwerfen, damit er neue Kräfte aus der Erde saugen und sich riesenhaft ihnen gegenüber wieder aufrichte, schrecken stets von neuem zurück vor der unbestimmten Ungeheuerlichkeit ihrer eigenen Zwecke, bis die Situation geschaffen ist, die jede Umkehr unmöglich macht, und die Verhältnisse selbst rufen:
hic Rhodos, hic salta
Hier ist Rhodos, hier tanze!
Karl Marx


Der Stein, den sie aufgehoben haben
wird auf ihre eigenen Füsse fallen.

Die Aktion des Schwarzen September in München hat das Wesen imperialistischer Herrschaft und des antiimperialistischen Kampfes auf eine Weise durchschaubar und erkennbar gemacht wie noch keine revolutionäre Aktion in Westdeutschland und Westberlin. Sie war gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch. Sie hat eine Sensibilität für historische und politische Zusammenhänge dokumentiert, die immer nur das Volk hat – das sind die, denen die Profite ausgesaugt werden, die – frei von Komplizenschaft mit dem System – keinen Grund haben, an die Masken ihrer Ausbeuter zu glauben, die Geschichte ihrer Ausbeuter zu beschönigen, auf deren Ansichten was zu geben. – Sie hat einen Mut und eine Kraft dokumentiert die die Revolutionäre nur aus ihrer Verbundenheit mit dem palästinensischen Volk haben können, ein Klassenbewußtsein, das sich seiner historischen Mission Avantgarde zu sein, klar bewußt ist - eine Menschlichkeit, die vom Bewußtsein bestimmt ist, gegen dasjenige Herrschaftssystem zu kämpfen, das als das historisch letzte System von Klassenherrschaft gleichzeitig das blutrünstigste und abgefeimteste ist, das es je gab: gegen den seinem Wesen und seiner Tendenz nach durch und durch faschistischen Imperialismus – in welcher Charaktermaske auch immer er sich selbst am besten repräsentiert findet: Nixon und Brandt, Moshe Dayan oder Genscher, Golda Meir oder McGovern.
Die westdeutsche Linke könnte an ihr ihre politische Identität wiederfinden – Antifaschismus – antiautoritäres Lager – antiimperialistische Aktion – wenn sie noch nicht ganz der Springerpresse und dem Opportunismus verfallen ist, wenn Auschwitz, Vietnam und Abstumpfung der Massen hier durch das System sie noch was angeht.

Die Strategie des Schwarzen September ist die revolutionäre Strategie des antiimperialistischen Kampfes in der Dritten Welt und in den Metropolen unter den Bedingungen des entfalteten Imperialismus der multinationalen Konzerne.

1. IMPERIALISMUS

ANTIIMPERIALISTISCHER KAMPF

Die Aktion war antiimperialistisch.
Die Genossen vom Schwarzen September haben ihren eigenen schwarzen September 1970 - als die jordanische Armee über 20 000 Palästinenser hingemetzelt hat, dahin zurückgetragen, wo dieses Massaker ursprünglich ausgeheckt worden ist: Westdeutschland - früher Nazideutschland - jetzt imperialistisches Zentrum.
Dahin, von wo aus die Juden aus West- und Osteuropa nach Israel auszuwandern gezwungen worden sind - dahin, wo man zuerst vom Raub palästinensischen Landes profitieren wollte - dahin, von wo Israel sein Wiedergutmachungskapital bezog und bis 1965 offiziell Waffen - dahin, wo der Springerkonzern Israels Blitzkrieg im Juni 1967 als antikommunistische Orgie gefeiert hat; dahin, von wo Husseins Armee mit gepanzerten Fahrzeugen, Karabinern, Maschinenpistolen und Munition versorgt wird; dahin, von wo aus alles versucht wird die arabischen Regierungen mit Entwicklungshilfe, Ölabkommen, Investitionen, Waffen und diplomatischen Beziehungen gegeneinander auszuspielen, sie alle gegen die palästinensische Befreiungsbewegung. Dahin, von wo aus der Imperialismus - wenn anders er die arabischen Befreiungsbewegungen nicht zur Unterwerfung erpressen kann - seine Bombengeschwader gegen sie starten wird: Westdeutschland - München - Natoflughafen Fürstenfeldbruck.

Vietnam
Oder glaubt man, Vietnam sei nur ein Spaß? Guatemala, Santo Domingo, Indonesien, Angola sind alles nur Spaß? - Vietnam ist die grauenhafte Erfahrung der Völker der III. Welt, daß der Imperialismus entschlossen ist, Völkermord an ihnen zu begehen, wenn nichts mehr bei ihnen herauszuholen ist - sie als Markt, als Militärbasis, als Rohstofflieferant, als Lieferant von billigen Arbeitskräften nicht mehr mitmachen; und daß das die opportunistische Linke in den Metropolen einen feuchten Käse schert - die sitzt im Arsch jenes Teils der Massen, der als Arbeiteraristokratie des Imperialismus (Lenin) in den Klauen des Systems ist - die gehen auf die Straße, wenn's ihnen mal stinkt, wenn der Krieg eskaliert, wenn geschossen wird - wie Ostern 1968 in Berlin, Mai 1970 in Kent - wenn das System ihnen mal kommt wie den Völkern der III. Welt permanent, dann haben sie die Schnauze voll, laufen zur Polizei, laufen dem Rattenfänger McGovern nach, einem Posten im Betriebsrat, schreiben wieder Gedichte gegen den Krieg.

Imperialistisches Zentrum
Der Schwarze September hat seinen Krieg von der arabischen Peripherie des Imperialismus ins Zentrum getragen. Zentrum heißt: Zentrale der multinationalen Konzerne, die die Märkte beherrschen, die das Gesetz der ökonomischen, politischen, militärischen, kulturellen, technologischen Entwicklung der Länder bestimmen, die zu ihrem Markt gehören. Zentrum sind: die USA, Japan, Westeuropa unter Führung der BRD. - Die Größe, der Umsatz, die Beschäftigungszahl der Konzerne sind bloß ihre äußerlichen, quantitativen Daten - ihre Rüstungsproduktion ist nur ein Sektor ihrer gegen die Befreiungsbewegungen gerichteten Produktionstätigkeit, ihr Preisdiktat im Rohstoffbereich nur eine Form neben anderen, Herrschaft über die Länder der III. Welt auszuüben.

DER AGGRESSIVE CHARAKTER IMPERIALISTISCHER INVESTITIONSPOLITIK

Marx hat den Kriegsmittelcharakter industrieller Maschinerie analysiert, die im 19. Jh. die Arbeiter dazu gebracht hat, Maschinen zu zerstören. Marx: "Die Maschinerie wird das machtvollste Kriegsmittel zur Niederschlagung der periodischen Arbeiteraufstände, Streiks usw. wider die Autarkie des Kapitals. Man könnte eine ganze Geschichte der Erfindungen seit 1880 schreiben, die bloß als Kriegsmittel des Kapitals wider Arbeiteremeuten ins Leben traten." Das war die Maschinerie die dem Proletariat Arbeitslosigkeit aufzwang, die den Lohnarbeiter schuf, indem sie das Proletariat vor die Alternative stellte, zu verhungern oder sich der Despotie des Kapitals zu unterwerfen.
Heute hätte man die Geschichte imperialistischer Investitionstätigkeit zu schreiben und ihre Analyse zu leisten, die zu nichts anderem "ins Leben tritt" als zur Niederschlagung der Befreiungsbewegungen der III. Welt.

MULTINATIONALE KONZERNE
Die multinationalen Konzerne verfügen über alles, was den Ländern, die der Imperialismus jeder Möglichkeit, sich zu entwickeln, beraubt hat - fehlt und setzen das gegen sie ein. Gleichzeitig Kapital heckend, Profite absahnend und mit denselben Projekten, Investitionen und Gewinnen die von ihm abhängigen Länder gegeneinander ausspielend - die eigene Abhängigkeit von den Rohstoffen der III. Welt dazu benutzend, diese damit zu erpressen.

KRIEGSMITTEL
Seine Kriegsmittel heißen: Kapitalpotential, Technologie, Kommunikationsmittel, Informationswesen, Transportmittel. Seine Eroberungsstrategien heißen: Investitionen, Gewinntransfer, Informationspolitik, Risikostreuung, Marketing, Absatzplanung, Vorratsplanung. Seine Besatzer- bzw. Kolonial-Ideologie heißt: Devisen bringen und Arbeitsplätze schaffen. Sein Ziel ist: integrieren, unterwerfen, ausrauben - als Alternative bietet er an: aushungern, ausrotten.

ÖLINVESTITIONEN
Gegenüber den arabischen Staaten, die die palästinensische Befreiungsbewegung unterstützen, geht es primär um Öl. 70 % aller westeuropäischen Ölimporte stammen von dort. Westeuropas Erdölbedarf wird sich bis 1985 verdoppeln (1970: 647 Mill.t). Das Schreckgespenst, arabische Revolutionsregierungen könnten noch mal den Anspruch stellen, ihre eigene Industrialisierung mit ihrem Öl durchzuführen - dann wäre es für die Ölkonzerne mit Profitraten über 100 % aus - bestimmt die Ölpolitik der Konzerne und ihrer Regierungen.

ALGERISCHES ERDGAS
Amerikanische Konzerne investieren Milliarden-Dollar-Summen zur Gewinnung, Verflüssigung und den Überseetransport von algerischem Erdgas, um algerisches Erdgas gegen libysches auszuspielen und gegen arabisches Öl: Kuwait, Libyen, Syrien, Irak, Saudi-Arabien.

PIPELINES
Westeuropäische Konsortien investieren Milliarden DM Summen für die Anlage von Pipelines (1 km kostet zwischen 1 und 2 Millionen DM) für algerisches Erdgas, um sich von Nahost-Öl partiell unabhängig zu machen (Bayerngas - Saarferngas - Gasversorgung Süddeutschland).

NORDSEE-ÖL
Ölgesellschaften und Regierungen investieren Milliarden zur Öl- und Erdgasgewinnung aus der Nordsee. Nordsee-Öl ist hinsichtlich der Erschließungskosten - nur jede 6. Bohrstelle ist fündig, Bau und Installationen von Bohrinseln, Unterwasser-Pipelines - zehn mal so teuer wie Öl aus dem Persischen Golf. (Den Anteil des Nordsee-Öls an den Welterdölvorkommen schätzt man auf 1 %, den des Mittleren Ostens auf 60 %.) Das wird vergeudet, um gegenüber dem Nahen Osten flexibel zu werden. "Der zunehmende Druck einiger Ölländer auf die westlichen Gesellschaften sowie politische Krisen könnten zu Versorgungsschwierigkeiten führen", behauptete die EWG-Europa-Kommission - gemeint sind die Schwierigkeiten der Konzerne, ihre Profitraten so hoch zu halten, wie sie sind.

AUSTRALIEN UND KANADA
Über die Rohstoffunde in Australien und Kanada schreibt die Wirtschaftsausgabe der FAZ in zynischer, kapitalistischer Offenherzigkeit: "Die Stellung der Entwicklungsländer verschlechtert sich wieder durch das Auffinden riesiger Rohstoffreserven in Kanada und Australien. Die geologisch gut gelegenen Stätten in diesen Ländern mit stabiler Regierung, geringer Besteuerung und einer entwickelten Industrie haben multinationale Unternehmen aus der ganzen Welt angezogen."

DIE KONFERENZ IN SANTIAGO DE CHILE
Über die Ohnmacht der "Entwicklungsländer", die auf der Konferenz in Santiago de Chile im April/Mai 72 Preissicherung auf den Rohstoffmärkten verlangten, schreibt die FAZ mit der Herablassung und dem imperialistischen Selbstbewußtsein eines Konzernbulletins: "Die Entwicklungsländer übersehen, daß Rohstoffvorkommen allein noch keinen Reichtum darstellen. Die Erschließung, der Transport, und die anwendungstechnische Forschung sind im Grunde genommen viel wichtiger, da wir z.Zt. in der Welt über ausreichende Reserven verfügen. Es ist kein Zufall, daß die potenten multinationalen Unternehmen in ihren Investitionen in den Entwicklungsländern, die eine restriktive Politik betreiben, große Zurückhaltung üben."

RAUBBAU UND BEVORRATUNG
Auf der einen Seite betreiben die Konzerne wüsten Raubbau an den Rohstoffen der III. Welt. In Kuwait z.B. befürchtet man, daß das Öl in 16 Jahren - der Ölboom in Kuwait begann 1934 - alle sein könnte. 95 % seiner Einnahmen hat Kuwait vom Öl - 800 Millionen Dollar im Jahr bei 740 000 Einwohnern. Jetzt wird in Kuwait mit 12,8 % der jährlichen Öleinnahmen ein Kronschatz angelegt - ein Sparstrumpf; wenn Öl und Kronschatz alle sind, hüten die Kuwaiter wieder Schafe. Libyen und Venezuela haben ihre Ölförderung schon eingeschränkt, um die Vorräte zu schonen.
Gleichzeitig betreibt man Bevorratungspolitik in der EWG und der BRD: Erhöhung der Vorräte von 85 auf 90 Tage - der Iran liefert eine 10-Mill.t.-Menge dazu - die BRD verbraucht gegenwärtig 133 Mill.t. Öl im Jahr.
Die USA haben sich ein riesiges Einsparungsprogramm vorgenommen - bis 1980 will man 365 Mill.t. Öl im Jahr einsparen - gegenwärtig verbraucht man dort 770 Mill.t. Die Einsparungsmaßnahmen sollen u.a. sein: Verlegung des Güterverkehrs von LKWs auf Eisenbahn, des Passagierverkehrs von der Luft auf die Straße, des Stadtverkehrs vom Auto auf Massenverkehrsmittel.

ÖL UND VERKEHRSTOTE
So wird der Wahnsinn einer Automobilproduktion, der in der BRD z.B. in den letzten 10 Jahren einen Tribut von 170 000 Verkehrstoten gefordert hat - in den USA rechnet man für 1972 mit 56 000, in der BRD mit 20 000 - zugunsten derselben Extraprofite der Öl- und Automobilkonzerne wieder abgeschafft, zu deren Gunsten er aufgebracht worden ist: zum Zweck der Niederschlagung der Befreiungsbewegungen der III. Welt, nachdem er nur zu Lasten der Völker der III. Welt ins Leben treten konnte. Die Angst, der circulus vitiosus des Konsums - die Anarchie kapitalistischer Warenproduktion als nur für den Markt, nicht für die Bedürfnisse der Menschen - könnte auf eine Grenze der psychischen Anpassungsfähigkeit der Menschen stoßen, bestimmt unter anderem das Gefasel von der "Qualität des Lebens". Das Abbröckeln der Massenloyalität aufgrund von nichts als Konsum - "Konsumscheiße" - hat ohnehin eingesetzt, auch wenn das Massensterben auf den Straßen als Abstumpfung und Brutalisierung der Menschen immer noch mehr zugunsten des Systems zu Buche schlägt als zu seinen Ungunsten.

BOYKOTT
Das Ziel ist die Wiederholung des Öl-Boykotts, der Anfang der 50er Jahre gegen die Nationalisierung persischen Öls durch Mossadegh geklappt hat, den Weg frei gemacht für die Marionette des amerikanischen Imperialismus, den Schah. Angesichts der Verstaatlichungsmaßnahmen des Irak hat der Iran sich bereiterklärt, seine Jahresölproduktion von 271 Mill.t. auf 400 Mill.t. zu erhöhen. Solche Regierungen hat der Imperialismus gerne.
In den 90er Jahren hofft man mit Atomkraft allmählich vom Erdöl als dem bis dahin wichtigsten Energieträger unabhängig zu werden. Dann - so hofft man - wird man auch die Hochleistungstemperaturöfen haben, mit denen man aus Kohle Erdgas herstellen kann - was der Inhalt der Rede vom eventuellen Comeback der Kohle ist.
Das Ziel imperialistischer Energiepolitik ist es, die erdölliefernden Länder schon jetzt für alle Zukunft der Möglichkeit zu berauben, auf ihr eigenes Öl nochmal ihre Industrialisierung und politische Unabhängigkeit gründen zu können.

EINKREISUNGSPOLITIK
Was im übrigen der Imperialismus gegenüber dem Nahen Osten betreibt, kann man ruhig Einkreisungspolitik nennen. Im Westen frißt er sich fest im Maghreb - Algerien, Tunesien, Marokko. Westdeutsche Konzerne investieren im Bergbau (Rohstoffe); in der Bekleidungsindustrie (niedrige Löhne); in Staudammprojekten (Elektrifizierung); Automobilindustrie. Schwerpunkt westdeutscher Entwicklungshilfe an arabische Staaten sind Tunesien und Marokko - beide Länder sind gleichzeitig Objekt westdeutscher Militärhilfe. - Im Osten und Norden: Türkei und Iran. Beide Länder sind sowieso amerikanische Militärstützpunkte. Im Rahmen der NATO liefert die BRD der Türkei Waffen. Im Rahmen der freien Marktwirtschaft liefert Siemens neuerdings Fernsehrelaisstationen, mit denen die Regierungsstimme - "Hier spricht die Kriminalpolizei" - bis in den türkischen Osten reicht. Die deutsche Kolonie in Teheran ist bekannt - der Umfang westdeutscher Waffenlieferungen ist es nicht.

MILITÄRBASIS
Es gehört wenig Fantasie dazu, sich einen Rollenwechsel des Maghreb im Osten, der Türkei und des Iran im Westen vom Markt zur militärischen Ausgangsbasis vorzustellen.
Und es gehört überhaupt keine Fantasie dazu, sich die Lage Algeriens in 3 Jahren vorzustellen, wenn die Erdgasförderung durch amerikanische Konzerne - also das große Geld - begonnen hat und Algerien trotzdem seine Solidarität mit den anderen arabischen Staaten aufrecht erhalten will; sie kann nur verzweifelt sein.

DER IMPERIALISMUS IST DIE EINHEIT
Der Imperialismus der multinationalen Konzerne ist die Einheit, die in sich die Widersprüche von entwickelten und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten beraubten Länder, von Staaten mit gewählten und mit vom CIA eingesetzten Regierungen, reichen und armen Ländern, Norden und Süden als Zentren und Peripherien seines Systems vereint. Er ist das System, das sich der politischen Form des Rechtsstaats ebenso bedient wie der des Faschismus. Er hebt diese Widersprüche nicht auf, er koordiniert sie nur, spielt sie gegeneinander aus, integriert sie als verschiedene, aufeinander abgestimmte Kapitalverwertungsbedingungen für seine Konzerntöchter.

"SKLAVEN DES SYSTEMS"
Äußerlich paßt er sich vorhandenen Bedingungen an - bedient sich, wenn es geht, inländischer Kapitalreserven, überläßt das mittlere Management Einheimischen, lernt die Landessprache, hält sich an geltendes Landesrecht, operiert mit der normativen Kraft seiner faktischen Macht auf dem Markt. Von oben herab belehrt die FAZ die "Entwicklungsländer", die sich mit Einschränkungen vor dem Raubbau ihrer Bodenschätze zu schützen versuchen: sie verkennten die Marktlage und qualifizierten ihre Rolle als Sklave des Systems richtig, wenn sie zu dem "Dilemma" Devisenbedarf einerseits und dem Bedürfnis, sich vor Raubbau zu schützen, andererseits, konstatiert: "Den Entwicklungsländern sind bei der Durchsetzung ihrer Politik gegen die internationalen Rohstoffgesellschaften die Hände gebunden".
Dieser Imperialismus vermeidet Provokationen. Er übernimmt, wo er kann, die Regierung der Länder der III. Welt in die eigene Galerie der Charaktermasken des Systems. Er arbeitet mit der "Verhältnismäßigkeit der Mittel" - sein Reservoir an Mitteln ist größer als das irgendeiner herrschenden Klasse vor ihm es war.

SEIN RESERVOIR AN MITTELN
Er überläßt die Völker der III. Welt der Disziplinierung durch Analfabetismus und Hunger, in den Metropolen der Verblödung, Abstumpfung und Brutalisierung durch Fernsehen, Springer und Verkehrsunfälle - er überläßt die Liquidation der amerikanischen Linken McGovern, er überläßt persische, türkische, palästinensische Genossen der Folter, die antiimperialistische Linke in Westdeutschland und Westberlin der Bundesanwaltschaft - er wird hier im November freie Wahlen abhalten, nachdem er im September palästinensische Freiheitskämpfer massakert hat und aufkommendes Entsetzen mit der Dampfwalze der Olympischen Spiele in Farbe niedergewalzt hat.
Dieser Imperialismus zeigt sein faschistisches Wesen nur vor, wenn er auf Widerstand stößt - eine spätkapitalistische Machtergreifung hat er nicht nötig. Seiner historischen Tendenz nach ist er faschistisch: auf Ausbeutung aus und Unterwerfung, Vernichtung, Vergeudung, Entlaubung, Zerstörung von Menschen und Bodenschätzen. Er hat das größte Zerstörungspotential bereitgestellt, das je eine herrschende Klasse für sich bereitgestellt hat, um nach sich die Sintflut kommen zu lassen - wo für ihn nichts mehr zu holen ist, verwüstet er alles; das Land und die Menschen - Krater und Krüppel - Vietnam.

DIE STRATEGIE DES SCHWARZEN SEPTEMBER

Mit seinem Bombenanschlag bei Strüver in Hamburg hat er Kriegsmittelnachschub für Israel angegriffen.
Mit seiner Aktion im Olympischen Dorf hat er den nur scheinbar lokalen Konflikt zwischen der imperialistischen Metropole Israel und Palästinensern von der Peripherie des Systems ins Zentrum getragen - hat er die Charaktermasken des "Rechtsstaats" Bundesrepublik gezwungen, abzuschminken und als das aufzutreten, was alle Charaktermasken des Imperialismus objektiv sind: kriegsführende Partei gegenüber den Befreiungsbewegungen der III. Welt - letztenendes: Ausrottungsstrategen und Faschisten.
Die arabischen Völker sind durch die Aktion für den antiimperialistischen Kampf mobilisiert worden, sie haben die Revolutionäre als Helden gefeiert, ihr Wille zu kämpfen ist ungeheuer ermutigt worden.
Daß es noch besser gewesen wäre, Genscher als Geisel zu nehmen, weiß der Schwarze September selbst. Auf dem ungeheuer hohen Niveau von marxistischer Theorie und revolutionärer Praxis, das der Schwarze September hat, braucht man ihm das nicht zu sagen. Die Erkenntnis, daß ein Austausch der israelischen Geiseln gegen die Charaktermasken der sozialliberalen Koalition noch besser gewesen wäre, insofern er die Komplizenschaft Israels/westdeutscher Imperialismus zerstört hätte, Israel isoliert, den Widerspruch zwischen dem Faschismus des entfalteten Imperialismus und Israels Nazi-Faschismus (siehe Kap. Nationalsozialismus) auch noch auf die Spitze getrieben hätte, Widersprüche im System ausgenutzt im Sinne von: Die Kräfte des Imperialismus zersplittern! - Diese Erkenntnis kann nicht als Kritik an der Aktion vorgebracht werden, insofern wir sie der Aktion selbst verdanken. Diese Erkenntnis ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Praxis die Theorie vorantreibt, die Theorie die Praxis - für die Dialektik von Theorie und Praxis.

2. OPPORTUNISMUS

DER OPPORTUNISMUS IN DEN METROPOLEN

Die Marx-Bibelforscher - nur mit Zitaten ausgerüstet, nicht weiterdenkend - werden einwenden, Marx selbst habe Maschinenstürmerei eine "Dummheit" genannt. Marx: "Da also die Maschinerie an sich betrachtet die Arbeitszeit verkürzt, während sie kapitalistisch angewandt den Arbeitstag verlängert, an sich die Arbeit erleichtert, kapitalistisch angewandt ihre Intensität steigert, an sich ein Sieg des Menschen über die Naturkraft ist, kapitalistisch angewandt den Menschen durch die Naturkraft unterjocht, an sich den Reichtum des Produzenten vermehrt, kapitalistisch angewandt ihn verpaupert..." sei also nicht die Maschinerie zu bekämpfen, sondern ihre kapitalistische Anwendung.
Das alles ist auf den Teil imperialistischer Investitionstätigkeit, der nur zum Zweck der Niederschlagung der Befreiungsbewegungen der III. Welt ins Leben tritt, nicht zu übertragen. Insofern er "an sich betrachtet" nichts als Vergeudung von Rohstoffen und Arbeitskraft ist, nichts als Kriegsmittel - man kann sagen: Rüstungsproduktion im zivilen Bereich. Mit ihr soll die Ungleichzeitigkeit der Entwicklung in den Zentren des Imperialismus und den Ländern der III. Welt, d.h. das imperialistische Herrschaftssystem verewigt werden.

SABOTAGE
Der Verzicht auf Sabotage in den Metropolen - weil es besser wäre, solche Projekte zu übernehmen, als sie zu zerstören, kommt auf den Ausspruch raus: Die Völker der III. Welt sollen mit ihren Revolutionen solange warten, bis die Massen in den Metropolen soweit sind, ignoriert das zuerst von Lenin erkannte Problem der Arbeiteraristokratie des Imperialismus, heißt von den Völkern der III. Welt zu verlangen, sich in das Schlepptau desjenigen Teils des Weltproletariats nehmen zu lassen, der am meisten in den Fängen des Systems ist - es ist der Führungsanspruch des Opportunismus.

DER SOLIDARITÄTSBEGRIFF DES OPPORTUNISMUS
Es ist kein Zufall, daß gerade die Opportunisten mit dem Begriff der Solidarität nichts mehr anfangen können - sie vertreten einen Führungsanspruch, der imperialismusanalytisch falsch ist - so müssen sie den Teil der Beherrschten aus ihrem Solidaritätsbegriff ausschließen, der ihren Führungsanspruch nicht anerkennt, stattdessen den der Völker der III. Welt. Sie müssen diejenigen ausschließen, die unter "dem Volke dienen" nicht verstehen, dem vom Imperialismus beherrschten Volk in den Arsch zu kriechen, sondern den Imperialismus bekämpfen, der das Volk beherrscht.

NEGT - DAS SCHWEIN
Negt, der in Frankfurt nach Noskes Devise "Einer muß der Bluthund werden" rangegangen ist, hat dort die Position des Opportunismus - mit allem Kauderwelsch, aller Massenverachtung, allen Appellen an "die Politiker", aller Berufung auf den gesunden Menschenverstand, die dazu gehören - formuliert. Allerdings ohne sich auch nur andeutungsweise - wie Bernstein - die Mühe einer ökonomischen Analyse zu machen. Da das Problem des Opportunismus aber unabhängig vom theoretischen Niveau seiner Sprecher objektiv besteht, ist es notwendig, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Es besteht objektiv als Resultat der Ungleichzeitigkeit der Entwicklung, die das System geschaffen hat, der Ungleichmäßigkeit der Formen der Ausbeutung, die das System anwendet, der Ungleichmäßigkeit der Erfahrung der Unterdrückung innerhalb dieses Systems.
Daß Negt überhaupt Beifall bekam, trotz des schwachsinnigen theoretischen Niveaus seiner Ausführungen, beweist, wie stark die objektiven Gründe sind, die hier dafür sprechen, eine opportunistische Position einzunehmen. Wir nehmen uns Negt auch deshalb vor, damit seine Anhänger sehen, welchem Bockmist sie da aufgesessen sind.

NEGT ÜBER SOLIDARITÄT
Negt: "Die Mechanik der Solidarität zerstört jede sozialistische Politik. Sie ist das schlechteste Erbteil der Protestbewegung".
"Mechanisch" mögen Leute zum Portemonnaie greifen, wenn sie einem Mundharmonikaspieler an der Hauptwache begegnen, und mag Bertold Beitz einen Scheck für die Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel unterschreiben - Solidarität ist keine Reflexhandlung, was jeder weiß, der jemals solidarisch gehandelt hat. Oder will Negt mit seiner "Mechanik" von hinten den Begriff der Spontaneität gleich mit erledigen? "Spontane Solidarität" ... ? Tiefer als Negt kann man den Begriff der Solidarität nicht in den Dreck ziehen und diejenigen nicht, die den Mut und die psychische Widerstandskraft aufbringen, bei Gefahr für sich selbst solidarisch zu handeln.

NEGTS KINDERSTUBE
"Ungebeten und oft anonym" stünden sie vor der Tür - was glatt gelogen ist, bei Negt stand nie einer - In der Tat, ohne ihre Visitenkarte vorher eingereicht zu haben oder dem Verfassungsschutz das Tonband am Telefon vollgequatscht. Dann waren sie noch unrasiert und nachher haben sie das Badezimmer vollgespritzt. Das wollen Revolutionäre sein? Wo kämen wir da hin?

OPPORTUNISTISCHE ANMAßUNG
Statt den Zusammenhang zwischen Wohlstand hier und Verelendung dort herzustellen - das hieße: die Einheit des Systems analysieren - maßte sich Negt Richtersprüche an aufgrund eingebildeter Macht, indem er proklamiert: "daß politische Moral unteilbar ist" - soso (s.o.) - "daß derjenige, der den Völkermord in Vietnam toleriert oder gutheißt, das Recht verliert, im Namen von Demokratie zu sprechen" - das Bundesverfassungsgericht hustet ihm eins - soll er das denen doch mal verklickern.

PRINZIP DER VEREINZELUNG
Die Verbindung zwischen Verelendung hier und Verelendung dort - von Solidarität, Erkenntnis des Zusammenhangs - zu verhindern, macht sich Negt zur Hauptaufgabe: Lokalisierung der Konflikte, wie das System sie mit allen Mitteln betreibt.
Negt: "Die unter Solidarisierungszwang stehende Masse der Politisierten, der Studenten, Schüler, Jungarbeiter, die sich mühsam von ihren Familien, dem disziplinierenden Druck der Betriebe und der Ausbildungsstationen abgesetzt haben" - (nicht emanzipiert, nicht im Prozeß der Befreiung befreit, der weitergeht, weiter will, sondern abgesetzt") - "verlieren allmählich die Fähigkeit, selber Erfahrungen zu machen" - (eine Sozialarbeiterunverschämtheit) - "ständig im Zugzwang, den Anschluß an die radikalsten Positionen nicht zu verpassen, gewinnen sie ihre labile, außen geleitete Identität" - (woher nimmt er die Frechheit, mit sozialpsychologischen, mit Jugendamtsjargon über die herzufallen, über die er da redet?) - "aus der bloßen Identifizierung mit den Erfahrungen anderer". Also: die Bild-Zeitung erfährt nur der, über den sie berichtet, über die Siege des Vietkong darf sich nur der Vietkong freuen. Bomben gegen das US-Hauptquartier kriegt nur mit, wer sie legt - oder was?

"SELBSTERNANNTE AVANTGARDE"
Negt: "Selbsternannte Avantgarde" – (also von keinem Kultusminister ernannt, durch die Besetzung keiner Marktlücke legitimiert – oder was?) – "spiegeln ihnen gesellschaftliche und geschichtliche Erfahrungen vor" – (denn der antiimperialistische Kampf findet in Wirklichkeit gar nicht statt) –, "die der einzelne Schüler, Arbeiter, Lehrling, Student in den eigenen Arbeitszusammenhängen weder nachvollziehen noch auf politische Konsequenzen bringen kann". Wieso identifizieren sie sich denn? Glaubt Negt an die Selbstfertigung der Ideen im Hirn? Offenbar.

MATERIALISTISCHE DIALEKTIK

Mao: "Die materialistische Dialektik betrachtet die äußeren Ursachen als Bedingungen der Veränderung und die inneren Ursachen als deren Grundlage – wobei die äußeren Ursachen vermittels der inneren wirken."
Das heißt: Negt – als äußere Ursache – hat für sein dummes Gewäsch in Frankfurt Beifall gekriegt, weil der Opportunismus in den Metropolen starke inneren Gründe hat. Die Leute wollen "Freiheit für Angela Davis" – aber den Kampf nicht mit der Härte führen wie der Vietkong, wie der Schwarze September – das nicht – so verzweifelt über das System, ihrer eigenen Sache so sicher sind sie denn doch nicht, daß ihnen das ’ne Sache aufgeben und Tod wert wäre. Kommt Negt, sagt, braucht ihr auch nicht, wir machen das schon – sind sie erleichtert, Beifall.
Dagegen steht die RAF – ihrer eigenen Sache so sicher wie die Völker der III. Welt, weil sie deren Führungsanspruch anerkennt, weil sie weiß, daß der Kampf nur mit der Härte geführt werden kann, wie die ihn führen. Die RAF – als äußere Ursache – hat zunehmend bei Schülern, Studenten, Lehrlingen Zustimmung gefunden. Negt hat es bezeugt, ebenso dreckige "Meinungsumfragen" haben es bezeugt, Flugblätter, Sprechchöre, Demonstrationen, Teach-ins etc. Aber wie anders als durch "innere Ursachen"? – wie anders als dadurch, daß diese in ihren eigenen Arbeits- und Lebenszusammenhängen täglich erfahren, daß eben nur diese Härte, nur die Härte mit der die Völker der III. Welt den Kampf führen, zum Ziel – ihrer Befreiung – führen kann? Negts Gezeter beweist das Gegenteil von dem, was er behauptet: gerade weil Schüler, Lehrlinge, Studenten in ihren Lebens- und Arbeitszusammenhängen – innere Ursache – die Erfahrungen der Völker der III. Welt anfangen nachzuvollziehen, identifizieren die sich mit deren Kampf, mit der RAF, die ihn in die Metropole getragen hat, die ihn vermittelt – als äußere Ursache.
Wäre es anders, hätte nie ein Hahn nach der RAF gekräht, Genscher und Ruhnau nicht, und Negt wäre mit einem Nebensatzseitenhieb auf die RAF ausgekommen in Frankfurt – oder Sein und Bewußtsein haben nichts miteinander zu tun, die materialistische Dialektik wäre ein Hirngespinst.
Daß dieser Prozeß nur unendlich langsam, schwer, mühsam, erst stellenweise in Gang gekommen ist, wissen wir. Daß er überhaupt in Gang gekommen ist, beweist, daß die Situation "reif" ist, den antiimperialistischen Kampf auch in den Metropolen aufzunehmen – nicht "reif" für den Umsturz, aber "reif" für die antiimperialistische Offensive.
Daß es Genossen gibt, die sich selbst zu schade dafür sind, schon in diesem Anfangsstadium der "Reife" der Situation ihr Leben und ihre Freiheit zu verlieren, nur um diesen Prozeß überhaupt erst mal in Gang zu setzen, beweist, wie groß die Anziehungskraft des Systems in den Metropolen noch ist. Daß es Genossen gibt, denen ihr Leben außerhalb des revolutionären Befreiungskampfes nichts mehr wert ist, beweist, wie groß die Anziehungskraft der Revolution schon ist. Insofern es keine einzige Idee und keinen einzigen Gedanken gibt, der seinen Ursprung woanders hat, als im Leben, in der Gesellschaft – da mögen Gedanken, Ideen und Menschen so viel eingesperrt, ausgebürgert, ausgeschlossen und für verrückt erklärt werden, wie man will.
Die Spaltung der Linken in den Metropolen in einen revolutionären, antiimperialistischen Flügel und einen opportunistischen hat eingesetzt.
Nicht weil der Opportunismus an Boden gewinnt, sondern weil der verliert – wobei er mit Erstarken der linken Bewegung noch an Boden gewinnen wird. Negts Attacke war ein Rückzugsgefecht. Insofern kann es nur recht sein, daß er obendrein so saumäßig argumentiert und damit selbst die Demaskierung des Opportunismus vorantreibt. Er macht es uns leicht.

NEGT ALS ALEXANDER DER GROßE
"Der Knoten" aus "mechanisierter Solidarität", "Minderwertigkeitskomplexen", "Trennungsängsten", "verzerrter Realitätsauffassung", "Vernebelung der Gehirne" "kann nur zerhauen werden" (da hat er recht) – nicht mehr "mit behutsamem Verständnis" aufgelöst. Was heißt: bei Erstarken des linken Flügels der sozialistischen Bewegung diesen von den Faschisten liquidieren lassen. Was heißt: marxistische Theorie, ernsthafte Diskussion gleich "behutsames Verständnis" – man verschone die sozialistische Diskussion in der Tat mit Negts pfäffischem Zuspruch und seiner Seminar-Pädagogik. Marx und Freud könnten zu all dem allerhöchstens sagen: Wie bitte? Ein völlig durchgedrehter, wild um sich schlagender Kleinbürger – dieser Negt. Wenn man nicht wüßte, daß das Sein das Bewußtsein bestimmt, könnte man auf die Idee kommen, bei dieser durch und durch korrupten Ratte sei "Korruption im Spiel".

DIE OBJEKTIVE ROLLE DER OPPORTUNISTEN
Für seinen Arbeitsbereich hat Negt sie – unvernebelt – dargestellt: "Man sollte sich hüten, die linken Lehrer und Hochschullehrer aus Schulen und Universitäten zu drängen", sie seien die einzigen, "die durch alltägliche Überstunden, durch Organisation kleiner Gruppen" diesen katastrophalen Laden "am Laufen" hielten. Gegen genau diese systemstabilisierende Integration ihrer Arbeit als "Überstunden" hatten sich die Berliner Studenten der Gegenuniversität mit Händen und Füßen gewehrt – so kommt die opportunistische Katze auch aus dem seminar-marxistischen Sack.

DER KERN: WISSENSCHAFT FÜR DIE BOURGEOISIE
Als praktischer Kern bleibt noch bürgerliche Wissenschaft: "Würde man auch nur einen Teil des Geldes, das für die Bekämpfung der Kriminalität ausgegeben wird, für die Bekämpfung der Ursachen ausgeben, dann könnte man mit langfristigen Wirkungen rechnen; eine Gesellschaft, die diese Minimalaufgabe nicht zu lösen vermag, hat ihre Berechtigung verloren" – (laßt Negt mal ran, der wird den Laden schon schmeißen).
Auf diese Art langfristige Wirkung mit Geld statt militärischer Abenteuer ist die Investitionstätigkeit der multinationalen Konzerne berechnet.
Und um das Maß wirklich voll zu machen, haut Negt noch den ganzen Marxismus-Leninismus über Bord: "Es gibt kein objektives und eindeutiges Kriterium für die Unterscheidung zwischen rechts und links." Wieso nennt sich dieses dumme Schwein noch "Sozialist"?
Rosa Luxemburg über Bernstein: "Wie – das ist alles, was ihr zu sagen habt? Kein Splitter von einem neuen Gedanken! Kein einziger Gedanke, der nicht schon vor Jahrzehnten von dem Marxismus niedergetreten, zerstampft, ausgelacht, in nichts verwandelt worden wäre. Es genügte, daß der Opportunismus sprach, um zu zeigen, daß er nichts zu sagen hatte." Es genügte, daß Negt offen auftrat, um zu zeigen, daß er mit den Faschisten unter einer Decke steckt – ihr "berufenes", möglicherweise "unberufenes Werkzeug" (R.L.).
Lenin: "Am gefährlichsten sind Leute, die nicht verstehen wollen, daß der Kampf gegen den Imperialismus eine hohle, verlogene Phrase ist, wenn er nicht unlöslich verknüpft ist mit dem Kampf gegen den Opportunismus." Daß die Unterdrückten selbst ihnen noch mal ihren ganzen "katastrophalen Laden" zusammenschlagen könnten, das System an seinen eigenen Widersprüchen zugrunde gehen könnte – das Bewußtsein: wir sitzen alle in einem Boot, schweißt Opportunismus und System zusammen. Sie quatschen von Sozialismus und meinen das System. Sie stellen keine Fragen, sie verpassen Antworten. Niederlagen der Revolutionäre quittieren sie schadenfroh: Wieder einmal hat das Pferd das Rennen gemacht, auf das sie gesetzt haben.

REVOLUTIONÄRES SUBJEKT

Das Problem des Opportunismus ist damit, daß Negt sich entlarvt hat, nicht aus der Welt. Die Bestimmung des revolutionären Subjekts aus der Analyse des Systems ist mit der Erkenntnis, daß die Völker der III. Welt die Avantgarden sind und der Übertragung von Lenins Begriff der "Arbeiteraristokratie" auf die Massen in den Metropolen nicht erledigt und nicht abgetan. Im Gegenteil: Es läuft überhaupt erst an.
Mit Marx’ Begriff des Lohnarbeiters, dem in der Produktion der Mehrwert ausgepreßt wird, allein ist die Ausbeutungssituation der Massen in den Metropolen nicht mehr gedeckt.
Tatsache ist, daß die Ausbeutung im Bereich der Produktion eine nie dagewesene Form der physischen Belastung, einen nie dagewesenen Grad der psychischen Belastung angenommen hat, mit der weiteren Aufsplitterung der Arbeit eine ungeheure Steigerung der Arbeitsintensität stattgefunden hat und fortschreitet.
Tatsache ist darüber hinaus, daß mit der Einführung des 8-Std.-tages – der Voraussetzung für die Steigerung der Arbeitsintensität – das System sich der gesamten Freizeit der Menschen bemächtigt hat. Zu ihrer physischen Ausbeutung im Betrieb ist die Ausbeutung ihrer Gefühle und Gedanken, Wünsche und Utopien dazugekommen – zur Despotie der Kapitalisten im Betrieb die Despotie der Kapitalisten in allen Lebensbereichen durch Massenkonsum und Massenmedien.
Mit der Einführung des 8-Std.-tages hat der 24-Std.-tag der Herrschaft des Systems über den Arbeiter seinen Siegeszug angetreten – mit der Schaffung von Massenkaufkraft und "Einkommensspitze" hat das System den Siegeszug über die Pläne, Bedürfnisse, Alternativen, Phantasie, Spontaneität, kurz: den ganzen Menschen angetreten!
Das System hat es in den Metropolen geschafft, die Massen so tief in seinen eigenen Dreck zu ziehen, daß sie das Gefühl für ihre Lage als Ausgebeutete und Unterdrückte, als Objekt des imperialistischen Systems weitgehend verloren zu haben scheinen, so daß sie für’s Auto, ein paar Plünnen, ’ne Lebensversicherung und ’nen Bausparvertrag jedes Verbrechen des Systems billigend in Kauf nehmen und sich was anderes als ein Auto, eine Ferienreise, ein gekacheltes Bad kaum noch vorstellen und wünschen können.
Daraus folgt aber, daß das revolutionäre Subjekt jeder ist, der sich aus diesen Zwängen befreit und seine Teilnahme an den Verbrechen des Systems verweigert. Daß jeder, der im Befreiungskampf der Völker der III. Welt seine politische Identität findet, jeder, der sich verweigert, jeder, der nicht mehr mitmacht: revolutionäres Subjekt ist – Genosse.
Daraus ergibt sich, daß wir den 24-Std.tag des imperialistischen Systems zu analysieren haben. Daß wir für alle Lebens- und Arbeitsbereiche dieser Gesellschaft nachzuweisen haben, wie sich das Mehrwertaussaugen in ihnen abspielt, wie es sich zur Ausbeutung im Betrieb verhält, was jeweils genau der Punkt ist. Mit dem Postulat: Das revolutionäre Subjekt des Imperialismus in den Metropolen ist der Mensch, dessen Tag der 24-Std.-tag unter dem Diktat der Bevormundung des Systems ist – stecken wir nicht mehr als den Rahmen ab, innerhalb dessen die Klassenanalyse gemacht werden muß – wir behaupten nicht, daß das Postulat schon die Analyse ist.
Tatsache ist, daß weder Marx noch Lenin noch Rosa Luxemburg noch Mao es mit dem Bild-Leser, dem Fernsehzuschauer, dem Autofahrer, dem psychologisch konzipierten Schüler, der Hochschulreform, der Werbung, dem Radio, dem Versandhandel, dem Bausparvertrag, der "Qualität des Lebens" usw. zu tun hatten. Tatsache ist, daß das System in den Metropolen sich durch seine fortschreitende Offensive auf die Psyche der Menschen reproduziert und eben gerade nicht offen faschistisch, sondern über den Markt.
Nur deswegen ganze Bevölkerungsschichten als für den antiimperialistischen Kampf abgestorben zu erklären, weil sie in Marx’ Kapitalismusanalyse noch nicht vorkommen konnten, ist ebenso wahnwitzig, sektiererisch wie unmarxistisch.
Nur indem es uns gelingt, den 24-Std.-tag auf den imperialistischen-antiimperialistischen Begriff zu bringen, können wir dazu kommen, die tatsächlichen Probleme der Menschen in diesem so zu formulieren und darzustellen, daß wir von den Menschen verstanden werden, nicht nur unsere Aktionen verstanden werden – wie die der RAF verstanden worden sind, sondern auch unsere Propaganda, unsere Sprache, unsere Wörter. Dem Volk dienen!
Wenn die Völker der III. Welt die Avantgarde der antiimperialistischen Revolution sind, das heißt: die objektive, große Hoffnung der Menschen in den Metropolen auf ihre eigene Befreiung, dann ist es unsere Aufgabe: Den Zusammenhang herstellen zwischen dem Befreiungskampf der Völker der III. Welt und der Sehnsucht nach Befreiung, wo immer sie in den Metropolen auftaucht: in den Schulen, in den Hochschulen, in den Betrieben, in den Familien, in den Gefängnissen, in Großraumbüros, Krankenhäusern, Verwaltungen, Parteien, Gewerkschaften – überall. Gegen alles, was diesen Zusammenhang äußerlich negiert, unterdrückt, zerstört: Konsum, Medien, Mitbestimmung, Opportunismus, Dogmatismus, Herrschaft, Bevormundung, Brutalisierung, Vereinzelung.

"Gemeint sind wir!" Revolutionäres Subjekt sind wir.
Wer immer anfängt, zu kämpfen und Widerstand zu leisten, ist einer von uns.
Die Fragen, wie und an welcher Stelle das System am besten zu bekämpfen, am besten zu erpressen, selbst am schwächsten ist – die Frage haben wir zu beantworten – nicht nach der Devise: eins nach dem anderen, sondern in der Dialektik von Theorie und Praxis.

3. FASCHISMUS

DIE AKTION DES SCHWARZEN SEPTEMBER WAR ANTIFASCHISTISCH

Sie hat den Zusammenhang zwischen dem alten NS-Faschismus und dem entfalteten Imperialismus als dem erst durch und durch faschistischen System hergestellt.

Die Olympiade
Sie hat ihn äußerlich hergestellt, indem sie auf die Olympischen Spiele zielte, die die Erinnerung an 1936, Auschwitz und Reichskristallnacht auslöschen sollten, insofern sie die Fassade abgeben sollten für das, was gegenwärtig in Vietnam läuft, Palästina, Israels Gefängnissen, der Türkei, Uruguay, Brasilien, Griechenland, Persien. Insofern sie als mörderische Wettkämpfe Sieger und Besiegte kennen, das Gegenteil von Befreiungskämpfen, von solidarischer Aktion sind, statt dessen Konkurrenz-Kämpfe um imperialistisches Selbstbewußtsein von Industrienationen – Aggressionsspiele.

"Bild"
"GOLD-GOLD-GOLD", hechelt, hetzt, pfeift, keift Bild in den ersten Tagen der Olympiade – "Ich sah sie sterben nachts um elf - wie die Spiele weitergehen" war die Bild-Schlagzeile am 7. September. – Wollt Ihr den totalen Sieg? – Jaaaaaaa!

Die Sportler
Das betrifft nicht die Sportler. Die haben jahrelang trainiert, die wollten Wettkämpfe austragen. Nicht sie gaben der Olympiade den Charakter einer imperialistischen Veranstaltung. Sie waren an ihr beteiligt wie der Lohnarbeiter am Kapitalismus – es geht nicht ohne sie, aber sie sind Objekt des Spektakels, Objekt von Neckermanns Sporthilfe. Daß sie Spaß daran haben, hebt das nicht auf.

DER NATIONALSOZIALISMUS

Der Nationalsozialismus war nur die politische und militärische Vorwegnahme des imperialistischen Systems der multinationalen Konzerne.
Raffgierig wie die Kapitalistenklasse – besonders in Deutschland – nun einmal ist, wollte sie, unter der Führung der Flick-, Thyssen-, Krupp-, IG-Farben-Konzerne unter noch unreifen Bedingungen schon haben, was sie später sowieso gekriegt hätte. Fickrig ging sie das Bündnis mit dem alten, absterbenden Kleinbürgertum ein, lud sich dessen irrationalen Antisemitismus an den Hals. Statt auf die Kleinaktionäre zu warten, den gewissermaßen echten, weil durch den extremen Kapitalbedarf der Konzerne selbst geschaffenen Mittelstand des Imperialismus – gingen sie das Bündnis ein mit der ideologisch rückwärts gewandten Nazi-Partei. Statt die Entfaltung seiner eigenen Möglichkeiten abzuwarten, sich Länder und Völker ohne militärische Abenteuer zu unterwerfen, fingen sie den 2. Weltkrieg an. Antisemitismus und Krieg hatten den Faschismus in Deutschland langfristig kompromittiert, die herrschende Klasse in Deutschland schon einmal vor den Massen voll entlarvt – hatten das Bündnis von Kommunisten und Teilen des Bürgertums im Antifaschismus ermöglicht.

ANTIFASCHISMUS

Es war dieser Antifaschismus im In- und Ausland, der die politische Entfaltung des westdeutschen Imperialismus so nachhaltig behindert hat. Es war die Sensibilität der Antifaschisten für Unrecht, Übergriffe, staatliche Brutalität, Übermacht der Exekutive, die diesen Staat bisher zwang, Rechtsstaat zu sein.
So wie der Imperialismus seinem Wesen nach faschistisch ist, war der Antifaschismus seiner Tendenz nach antiimperialistisch.
Die RAF hat ihn bei einem Teil ihrer Sympathisanten für den antiimperialistischen Kampf aktualisiert. Mit den §129-Prozessen Anfang der 50er Jahre und dem KPD-Verbot ist die KP von ihrem eigenen Antifaschismus abgeschnitten worden, ihr Bündnis mit Teilen des Bürgertums aufgelöst worden. – Es war eine der wesentlichen Aufgaben der Brandt/Scheel/Heinemann-Administration, die Reste des Antifaschismus in der SPD und im Bildungsbürgertum zu liquidieren – die als APO 1967/68 nochmals hervorgetreten waren – ermutigt von der Studentenbewegung – in Republikanischen Clubs, auf Vietnam-Demonstrationen, gegen Notstandsgesetze und Polizeiterror.

ANTIAUTORITÄRES LAGER

Daß die Führer der Studentenbewegung diese selbst ihres antiimperialistischen Bewußtseins berauben konnten, ist ein Kapitel für sich. Die Inhalte der antiautoritären Bewegung waren ganz klar antiimperialistisch: 2. Juni, Vietnam, Springer, gegen die politische Entfaltung des westdeutschen Imperialismus gerichtet, den Schlußstrich unter die Nachkriegsgeschichte der BRD durch die Bildung der Großen Koalition. Als kleinbürgerlich erwies sich diese Bewegung erst, als sie sich, nachdem die ersten Schüsse gefallen waren, die kein privater Faschismus (Kurras) waren, sondern Produkt systematischen imperialistischen Terrors – auf Dutschke gezielt, von Springer aufgepeitscht – von ihren eigenen Theorie-Assen ihres antiimperialistischen Bewußtseins berauben ließ. Als sie die Erfahrung ihrer Ohnmacht in Organisationsfetischismus zu kompensieren anfing – ihr Verfall in ein rechthaberisches, konkurrenzsüchtiges Zirkelwesen, das nur noch die Herrschaftsstrukturen des Systems reproduziert, Vereinzelung, Besserwisserei, Unsensibilität gegen Unterdrückung; das Spontaneität ebenso haßt und denunziert wie das System selbst, deren "Parteivorsitzende" – Gralshüter des Marxismus – das Proletariat zum Objekt ihres Führungsanspruchs machen und die Massen nur noch als das begreifen und wahrnehmen, was das System aus ihnen gemacht hat: Bild-Leser, Fernsehzuschauer, Autofan, Urlauber, SPD-Wähler, Deutsche – wie der Spießer (schon klassisch) nur noch fragen: "Was sagen die Leut’?" Kleinbürgerlich ist die nationalstaatliche Borniertheit der opportunistischen Linken, die nicht erkennt und nicht anerkennt, daß die Avantgarde der antiimperialistischen Revolution die Völker der Dritten Welt sind und daß der Kampf in den Metropolen der Kampf der internationalen Brigaden ist für den Sieg im Volkskrieg vor Quang Tri und Hué, Palästina, Libanon, Angola, Mozambique, Türkei oder überhaupt nicht stattfindet. Kleinbürgerlich und unmarxistisch ist es, sich nicht vorstellen zu können, daß die Massen auch hier langfristig auf der Seite des Befreiungskampfs ihre politische Identität finden werden, langfristig sich aus dem Griff des Systems, seinen Lügen, Täuschungsmanövern, Wahlgeschenken und Lotteriespielen lösen können.
Kleinbürgerliche Ungeduld war es, nach einem knappen Jahr Studentenbewegung ihre antiimperialistischen Inhalte aufzugeben, weil sie in der kurzen Zeit vom Proletariat nicht aufgegriffen werden konnten und Springer so schnell und kurzerhand nicht zu enteignen ist.

ANARCHISMUS-VORWURF

Die antiautoritäre Bewegung als anarchistisch abzutun, die Internationale des antiimperialistischen Kampfes als Internationale des Anarchismus – damit verfolgt das System bereits nur denunziatorische Zwecke – wo Dogmatiker so argumentieren, ziehen sie ihre Schlüsse nicht aus der Analyse des Systems und seiner Entfaltungsprozesse, sondern aus der chemischen Analyse von Sprengstoff – aus historischer Analogiebildung aufgrund von nichts als Äußerlichkeiten – prototypisch: Harich.
Weder die tatsächlichen sozio-ökonomischen Voraussetzungen noch der Begriff vom Staat der alten Anarchisten – von Blanqui bis Kropotkin – (die Machno-Bewegung unter dem spanischen Anarcho-Syndikalismus sind sowieso nicht gemeint von den Denunziatoren) haben das geringste mit den objektiven Bedingungen und den subjektiven Inhalten von antiautoritärer Bewegung und RAF zu tun. Die Genossen, die sich selbst Anarchisten nennen, auch nicht. Sie sind ganz klar Antiimperialisten – randvoller Mißtrauen gegen alle "Marxisten", die sie besserwisserisch aufgrund von nichts als bürgerlichem Bildungsvorsprung subordinieren wollen. Durch antiautoritären Habitus halten sie sich falsche Bevormundung vom Hals.
Der alte Anarchismus-Begriff ist nicht mehr zu gebrauchen – nicht in der Form, wie ihn Marx, Engels, Lenin, Rosa Luxemburg aus der Sozialdemokratie rausgeteufelt haben – zu recht. Nicht in der Form, wie Blanqui, Bakunin, Most, Kropotkin ihn entwickelt haben – unreife Ideen in einer unreifen Situation.
Die legale Linke verhält sich völlig kritiklos sich selbst gegenüber, wenn sie ihr bißchen Massenbasis gegen die Massenbasis des antiimperialistischen Kampfes ausspielt. So kommt überhaupt niemand weiter. Mit dem Anarchismusbegriff will man uns eine Diskussion aufzwingen, mit der von den Problemen, die wir heute dringend zu lösen haben, abgelenkt wird.
Ob der Herrschaftsbegriff der alten Anarchisten ein Vorgriff war auf die erst durch die Entfaltung des Imperialismus entfaltete Herrschaft des Kapitals über den Menschen – ihr Arbeitsbegriff also ein Vorgriff gewesen wäre auf den Freiheitsbegriff des antiimperialistischen Kampfes – man müßte das untersuchen – es kann sein.

INTEGRATION
Zur Integration der KP bedurfte es noch ihrer Illegalisierung, zur Integration der bürgerlichen Antifaschisten der Ostverträge – der Studentenbewegung genügte die Amnestie – ein Linsengericht.

DIE VERBLÖDETE LINKE
Verblödet ist das kleinbürgerlich gehässige, spitzfindige Gewäsch derjenigen Genossen, denen zu München nur einfällt, nun würde Genscher das wieder ausnützen, um gegen sie vorzugehen. So ist es. Was daraus spricht, ist nicht das politische Bewußtsein von Marxisten, sondern von pikierten Kleinaktionären – "Immer ich!"

FÜRSTENFELDBRUCK UND DIE OSTVERTRÄGE

Das Massaker in Fürstenfeldbruck wäre ohne die Ostverträge nicht möglich gewesen; ohne die vollständige Demoralisierung der alten Antifaschisten und den maßlosen Opportunismus, in den sich Teile der neuen Linken durch ML und AO haben abführen lassen – völlig erblindet gegenüber der grauenhaften Bestätigung ihrer eigenen Erkenntnisse von 1967/68.
Gerade nicht Strauß, sondern genau nur Brandt konnte das Verbrechen in Fürstenfeldbruck begehen: den Feuerschutz des westdeutschen Imperialismus auf einer amerikanischen NATO-Basis zur Unterstützung Israels – seiner Folter, seiner Morde, Ausbeutung, Napalm, Landraub am palästinensischen Volk.
Genau nicht Dregger, sondern genau nur Scheels Parteifreund Genscher kann die Massendeportation der Palästinenser aus der BRD durchführen, derjenigen, die hier sind, weil sie aufgrund nationalistischer Ausrottungspolitik - jetzt israelischer Ausrottungspolitik - ausgesetzt sind. Tiefer kann eine öffentliche Meinung nicht auf den Hund gekommen sein, als die, die das, bar jeglichen historischen Erinnerungsvermögens, hinnimmt und nicht einmal ahnt, wie maßlos der Haß sein wird, mit dem sie das noch einmal heimgezahlt kriegt.

SOZIALLIBERALE KOALITION & STRAUß
Seit dem Eintritt der SPD in die Regierung 1966 ist mehr an "Demokratie" abgeschafft worden als in den 17 Jahren davor unter allen CDU-Regierungen zusammen: Notstandsgesetze, Handgranatengesetz, Verfassungsschutzgesetz, Ministerpräsidentenerlaß, Bundesarbeitsgerichtsurteile gegen Streiks, BGS-Gesetz.
Von der Angst vor Strauß narkotisiert, wird ein Teil der Linken, wenn Strauß das von der sozialliberalen Koalition geschaffene Instrumentarium übernimmt, merken, daß ihr die Stimmbänder schon durchgeschnitten sind, mit denen sie dann noch bellen will.
Aber Strauß kann auch nicht viel mehr, als Genossen abknallen, McLeods liquidieren, Araber ausweisen, Prinzregentenstraße, Löwenthal, Bild, Schauprozesse, Polizeieinsätze. Die Polizei der sozialliberalen Koalition ist genauso die Polizei der Konzerne, ihre Meinungsfreiheit die des Springerkonzerns, ihre Außenpolitik die von Wolff von Amerongen, Beitz, Messerschmidt, Bölkow-Blohm, Siemens, Hochtief, Schickedanz und Gelsenberg AG; ihre Innenpolitik die von Daimler-Benz, Glanzstoff, Klöckner, Bayer-Leverkusen, ihre Hochschulpolitik die der BASF.
Weil es nicht um parlamentarische Demokratie (Brandt) hier und Faschismus (Strauß) da geht, sondern um hier imperialistisches Zentrum und da der revolutionäre Befreiungskampf der Völker der III. Welt und der antiimperialistische Kampf in den Metropolen – nicht darum, dieser oder jener Regierung in den Arsch zu kriechen, sondern dem Volk zu dienen.

DER SCHMACKHAFTE IMPERIALISMUS
Die sozialliberale Koalition hat der bürgerlichen, in Äußerlichkeiten vernarrten Linken den westdeutschen Imperialismus schmackhaft gemacht – sie nimmt bei der Durchsetzung der Politik des Imperialismus Rücksicht auf die Gefühle der Menschen – sie arbeitet mit der "Verhältnismäßigkeit der Mittel", sie kann die Landessprache, sie bedient sich der Form der parlamentarischen Auseinandersetzung wie der von BGS-Terrortrupps – der Mittel des Rechtsstaats wie der des Faschismus.
Die antiimperialistische Linke hätte es mit Strauß leichter. Er hat noch den scheppernden Auftritt des Kolonial- und Nazi-Imperialismus, noch nicht die angepaßten Umgangsformen der Konzern-Vorstände, er hat noch das fickrige Verhältnis zur Macht wie Thyssen, Flick, Krupp 1933, noch nicht das entfaltete Selbstbewußtsein der multinationalen Konzerne. Er würde in den Betrieben ausgepfiffen werden, er würde den Haß nicht mehr säen, sondern auch ernten.

DIE "RECHTE MACHTERGREIFUNG"
Die "rechte Machtergreifung" ist der völlig aus der Luft gegriffene Popanz der SPD-Linken, die Beschwörungsformel der hirn- und theorielosen Opportunisten gegen die antiimperialistische Linke – ihr Verschleierungsbegriff dafür, daß Brandt und Strauß nichts sind als zwei verschiedene Charaktermasken desselben imperialistischen Systems.
Die Ideologie von den hoffnungslos verblödeten Massen ist das Pendant dazu - bewiesen durch nichts als die Dreckspresse aus dem Hause Springer, die Abstimmung am Kiosk, d.h.: die Konzentration der Medien.

4. DIE ANTIIMPERIALISTISCHE AKTION

DAS MASSAKER

Brandt, Genscher, Merck, Schreiber, Vogel, Daume, Brundage und wie die Charaktermasken des Imperialismus alle heißen, haben keine Sekunde lang daran gedacht, die Forderungen der Revolutionäre nach Freilassung der Gefangenen zu unterstützen. Sie haben, noch bevor Golda Meir überhaupt benachrichtigt war und Stellung genommen hatte, schon nur und ausschließlich darüber nachgedacht, wie sie die Revolutionäre am besten – mit Gas oder Sturmtrupps oder Präzisionsschützen oder wie nun – massakern könnten. Alle Aufschübe des Ultimatums, das sie mit Lügen und falschen Versprechen erreicht haben, diente ihnen nur zu einem ausschließlichen Zweck: für die Vorbereitung des Massakers Zeit zu gewinnen. Sie hatten nur ein Ziel, nur ja dem Moshe-Dayan-Faschismus – diesem Himmler Israels – in nichts nachzustehen. Die Dokumentation des Bayerischen Innenministeriums vom 7. Sept. über den Ablauf der Ereignisse – als erste Dokumentation immer noch ungeschminkter als was danach kam - besteht aus nichts anderem als Gewinsel und Beteuerung, daß man doch in Wirklichkeit genauso ein Schwein sei wie Moshe Dayan, alles genauso gedacht war wie sein heimtückisches Vorgehen gegen die Flugzeugentführer in Tel Aviv, daß man wirklich alles getan hat, die Revolutionäre ebenso viehisch in die Falle zu locken –bloß eben leider, leider....
Daß Genscher so weit gegangen ist, den Austausch der Geiseln für den 6. Sept. morgens um 8 Uhr in Kairo zu versprechen, verschweigen die westdeutschen Dokumentationen – das hat erst der Leiter der ägyptischen Delegation bei den Olympischen Spielen mitgeteilt.
Entsetzt war das imperialistische Ausland nur über die Unfähigkeit der Deutschen, wieder einmal nicht nur die Kommunisten, sondern die Juden gleich mit liquidiert zu haben.
Israel vergießt Krokodilstränen. Es hat seine Sportler verheizt wie die Nazis die Juden – Brennmaterial für die imperialistische Ausrottungspolitik. Sie benutzt München eben gerade nicht als Vorwand, wenn es jetzt palästinensische Dörfer bombt – es tut, was es sowieso tut als imperialistisches System: es bombt gegen die Befreiungsbewegung. Es bombt, weil die arabischen Völker die Aktion des Schwarzen September begriffen haben, weil die Aktion von den Massen verstanden worden ist: daß ihr Feind nicht nur Israel ist, daß ihr Feind der Imperialismus ist, daß nicht nur Israel blutrünstig ist, nicht nur die USA gegenüber Vietnam, sondern der ganze Imperialismus gegen alle Befreiungsbewegungen, daß es ohne antiimperialistischen Kampf keinen Sieg im Volkskrieg gibt.

DIE ENTLARVUNG DES ESTABLISHMENTS

Das westdeutsche Establishment hat sich entlarvt – mehr als ihm selbst recht sein kann. Systemimmanente Widersprüche haben sich als das erwiesen, was sie unter den Bedingungen des entfalteten Imperialismus sind: Scheingefechte, deren gesellschaftliche Substanz Bla-Bla ist.
Die Rundschau verlangte sofort die Auflösung sämtlicher palästinensischer Organisationen in der BRD, die Ausweisung sämtlicher Mitglieder, und brachte im Bezug auf die Entwicklungshilfe den alten Bild-Zeitungshut aus der Studentenbewegung – "unsere Steuergelder" – wieder auf. Die FAZ formulierte – Schaum vorm Mund – im Stil des Mainzer Baader-Meinhof-Reports über Habbasch: Er sei ein von Zynismus und Minderwertigkeitskomplexen bestimmter Mann. Wischnewski wollte gleich "alle Araber" ausweisen, deren Regierungen auf seiten der Palästinenser sind. Augstein forderte gequält "Sanktionen". Nannen sprach die Stern-Leser in einer Art Tagesbefehl an: Fristlose Ausweisung, Lufthansaboykott gegen arabische Flughäfen, "keinen Pfennig" Entwicklungshilfe und Handelskredite. Scheel beschwor den "zivilisierten Teil" der Menschheit. Heinemann nahm die arabischen Regierungen ins Gebet, als sei er der Aufsichtsratsvorsitzende des Jüngsten Gerichts.
Diese Ausbrüche ohne Augenmaß diesseits der Springerpresse können ihnen selbst auf die Dauer so wenig recht sein wie die Politik und Informationspolitik der Behörden vor und in den ersten Stunden nach dem Massaker. Brandt, als er mit Sidki, dem ägyptischen Ministerpräsidenten, telefonierte, glaubte noch, er könnte mit den Revolutionären so umspringen wie mit der westdeutschen Linken. Er wüßte nicht, was die wollten, behauptete er, als brauchte er das gar nicht zu wissen, als sei man sich ja wohl einig, daß das Verbrecher, Anarchisten, Untermenschen, Kranke oder sonstwas seien – über die wird verfügt, die werden nicht gefragt. Sidki legte auf. Genscher, Merck, Schreiber dachten, sie brauchten nicht gleich mit der peinlichen Wahrheit, die Geiseln mitermordet zu haben, rausrücken, sie hätten Zeit, sich eine Version zurechtzulegen, die würde ihnen dann schon abgenommen, so wie ihnen die Notwehr-Version bei der Ermordung von Petra Schelm, Georg von Rauch, Thomas Weisbecker schließlich abgenommen worden ist.
Genscher dachte im ersten Moment, er könnte die Sache auf die Bayern abwälzen, so wie die Ermordung McLeods auf den Stuttgarter Bullen abgewälzt wird, der abgedrückt hat.
Die Staatsanwaltschaft München dachte, sie könnte mit dem Vorwand, Ermittlungen würden gefährdet, den Journalisten Informationen vorenthalten. Sie waren ihrer eigenen Gegenpropaganda, die sie 2 Jahre gegen die RAF eingeübt hatten, erlegen, daß es den antiimperialistischen Kampf in Wirklichkeit gar nicht gibt, das sei nur ein Spuk – links von der sozialliberalen Koalition gebe es nur noch Irre, Anarchisten, Kriminalität und Krankheit.

EPPLER
Die taktisch richtige, d.h. ihrer augenblicklichen Interessenlage entsprechende Position hat in der BRD nur noch Eppler durchgehalten. Keine pauschalen Urteile, keine Sanktionen, Entwicklungshilfe doch sowieso nur im Maghreb im Sinne imperialistischer Einkreisungspolitik, Unterwanderung mit Investitionen etc. etc. Insofern man noch das Öl, die Bodenschätze, die Arbeitskraft ausrauben will, denen also noch mit Völkerfreundschaft und Partnerschaft zu kommen hat.

DEMASKIERUNG
Der Schwarze September hat die Charaktermasken der sozialliberalen Koalition und ihrer Propagandisten entlarvt, indem er die wirklichen statt der vermeintlichen Widersprüche des Systems auf die Spitze getrieben hat: den Widerspruch zwischen dem Imperialismus und den Völkern der III. Welt, er hat sie gezwungen, schon zu einem Zeitpunkt ihre wirklichen Ziele und Intentionen preiszugeben, wo sie sich das eigentlich noch gar nicht leisten können. Die Bullen spielten nicht mit, weigerten sich, das Massaker im Flugzeug durchzuführen. Die Nachrichtenjournalisten spielten nicht mit. Das Ausland spielte nicht mit. Die westdeutschen Massen sind nicht gefragt worden. Die arabischen Völker haben massenhaft begriffen, wen sie mit Westdeutschland vor sich haben: imperialistische Ausrottungsstrategen.
Demaskieren heißt, sie zwingen, den übernächsten Schritt vor dem nächsten zu tun, sie zwingen, ihre Ziele preiszugeben, so daß jeder sehen kann, wo’s lang geht. Ihnen das zu einem Zeitpunkt aufzuzwingen, wo die revolutionäre Linke noch zu Gegenstrategien in der Lage ist, nicht erst, wenn alles verboten und gefeuert ist und in den Gefängnissen sitzt.
Demaskieren heißt, die Widersprüche auf die Spitze zu treiben, das Gesetz des Handelns zu bestimmen, die Initiative zu ergreifen, wo es noch geht, nicht erst, wenn es nicht mehr geht. – Bei der herrschenden Pressekonzentration und der prinzipiellen Einigkeit des Establishments sich vorzustellen oder zu behaupten, das System könnte nochmal um Vorwände verlegen sein oder mangels Vorwänden sogar zusammenbrechen, weshalb zu seiner Erhaltung beisteuert, wer Vorwände liefert, ist kindisch. Auf dem Niveau von Wahlkämpfen und Waschmittelwerbung findet der antiimperialistische Kampf nicht statt.

ANTIIMPERIALISTISCHES BEWUßTSEIN

Die antiimperialistische Aktion zielt propagandistisch auf die Dialektik von Sein und Bewußtsein, insofern die Loyalität der Massen gegenüber dem System ihr Glauben an seinen schönen Schein ist, seine Versprechen, seine Lügen, seine jede Spontaneität entmutigende Perfektion die Anpassung der Massen an den "stummen Zwang der Verhältnisse" (Marx), die sich den Massen als Naturtatsache aufdrängen. Die antiimperialistische Aktion zerstört die Symmetrie von Selbstdarstellung des Systems plus Manipulation und Massenloyalität, provoziert es zum Eingeständnis der Wahrheit, zu der die Menschen noch allemal sagen: das hätten sie nicht gewollt. Sie geht in der Tat davon aus, daß die Unerträglichkeit des Systems längst massenhaft empfunden wird, kein Hirngespinst ist, wie die Opportunisten glauben machen möchten.
Wer hat das Massaker in Fürstenfeldbruck gewollt? Die Sportler, die von der Olympiade abgereist sind, haben es nicht gewollt. Die Menschen, die bedrückt und erschrocken die Fortsetzung erlebt haben, die die ungeheure Kaltschnäuzigkeit des IOC und der Springerpresse empfunden haben, haben es nicht gewollt. Idiotisch zu glauben, die Revolutionäre hätten es gewollt. Sie wollten die Freilassung der Gefangenen. Sie wollten das, was 100 000e in diesem Land immer noch wollen: daß nicht gefoltert wird – weshalb die politischen Gefangenen hier nicht gefoltert werden – daß Landraub, Mord, Napalm, Bombenterror gegen palästinensische Flüchtlingslager durch Israel nicht geschieht. Auch deshalb sind sie massakert worden. Weil Erfolg unendlich viel mehr Identifikation mit ihnen und ihrer Revolution bedeutet hätte – mit ihrer "menschlichen Haltung", ihrem Mut, ihrer Solidarität, als eine Niederlage das kann.
Antiimperialistisches Bewußtsein faßt angesichts der Perfektion von imperialistischer Herrschaft schwer Fuß. Die Massen kriegen jeden Tag die Bild-Zeitung um die Ohren geschlagen. Von allen Seiten mit vorfabrizierten Meinungen und Veranstaltungen eingedeckt, ist es schwer, seiner Trauer und seinem Entsetzen Ausdruck zu geben.

"TERROR"
Die Aktionen der RAF zielten auf die Herstellung von antiimperialistischem Bewußtsein. Die Charaktermasken des Systems hatten das begriffen. Sie hatten begriffen, daß diese Art von Kampf langfristig auf ihre Massenbasis abzielt, weil Widerstand langfristig anzieht, ermutigt, nicht abstößt. Mit der Taktik der gefälschten Bombendrohungen – gegen Stuttgart angewandt – sind sie voll darauf eingestiegen, nachdem sie mit Hunderten von Wohnungsdurchsuchungen, tausenden durchkämmten Straßenkilometern und millionenfachem Appell durch die Medien in die Sympathisanten-Scene der RAF nicht einbrechen konnten. Mit der Taktik der gefälschten Bombendrohungen und gleichzeitiger Unterdrückung der Gegenerklärungen der RAF durch die Medien erzeugten die Bullen selbst das Chaos, das dann von sich aus nach Sicherheit und Ordnung verlangt. Die sozialistische Linke war unfähig, die echten von den gefälschten Bombendrohungen zu unterscheiden, obwohl alle echten gegen Herrschaft gerichtet waren, auf Räumung abzielten, Unterbrechung von Herrschaftsbetrieb, Kulturbetrieb, Kommunikationsbetrieb, Medienbetrieb – nur die Stuttgarter war gegen Menschen gerichtet - offen faschistisch, massenfeindlich.
Der antiimperialistische Krieg bedient sich der Waffen des Systems im Kampf gegen das System – die Konterrevolution terrorisiert das Volk. Die legale Linke – von den Aktionen der Bullen verwirrt – hat den Opportunisten (Negt) das Terrain überlassen.
(Was im einzelnen zu den Verhaftungen von Juni und Juli zu sagen ist, müssen die Genossen im Knast selber sagen.)

SCHWARZER SEPTEMBER

An der Aktion des Schwarzen September in München gibt es nichts mißzuverstehen. Sie haben Geiseln genommen von einem Volk, das ihnen gegenüber Ausrottungspolitik betreibt. Sie haben ihr Leben eingesetzt, um ihre Genossen zu befreien. Sie wollten nicht töten. Sie haben ihr Ultimatum mehr als aufgeschoben. Sie haben angesichts der unnachgiebigen Haltung Israels vorgeschlagen, die israelischen Geiseln als Gefangene zu behalten. Die israelischen Geiseln waren mit diesem Ausweg einverstanden. Sie sind von den deutschen Behörden genauso getäuscht worden wie die Revolutionäre. Die deutsche Polizei hat die Revolutionäre und die Geiseln massakert.
Die Aktion des Schwarzen September in München wird aus dem Gedächtnis des antiimperialistischen Kampfes nicht mehr zu verdrängen sein.
Der Tod der arabischen Genossen wiegt schwerer als der Tai-Berg.

DER STEIN, DEN SIE IN FÜRSTENFELDBRUCK AUFGEHOBEN HABEN, DIESE BESTIEN, WIRD AUF IHRE EIGENEN FÜßE FALLEN!

SOLIDARITÄT MIT DEM BEFREIUNGSKAMPF DES PALÄSTINENSISCHEN VOLKES!

SOLIDARITÄT MIT DER REVOLUTION IN VIETNAM!

REVOLUTIONÄRE ALLER LÄNDER, VEREINIGT EUCH!


Dem Volk dienen!

Zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich ziehen!

Den antiimperialistischen Kampf führen!

Die Kräfte des Imperialismus zersplittern und zerschlagen!

Alle Macht dem Volk!

Revolutionäre aller Länder vereinigt euch!